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Die bayerische Dialektdatenbank BayDat

BayDat - Die bayerische Dialektdatenbank ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie vom Bezirk Unterfranken finanziell unterstütztes Projekt, das die einzelnen Datenbanken aller bayerischen Sprachatlasprojekte in eine große Datenbank zusammenführt. BayDat ist ein Hauptprodukt des Unterfränkischen Dialektinstituts.

Der Bayerische Sprachatlas (BSA) - Die Basis für BayDat

Im Rahmen des Bayerischen Sprachatlas (BSA) wurden an den bayerischen Universitäten Augsburg (Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben), Bayreuth (Sprachatlas von Nordostbayern), Erlangen (Sprachatlas von Mittelfranken), Passau (Sprachatlas von Niederbayern und Sprachatlas von Oberbayern) und Würzburg (Sprachatlas von Unterfranken) viele Jahre lang die Dialekte des jeweils zugehörigen Regierungsbezirkes erhoben und zum großen Teil auch computativ erfasst, d.h. mit einer speziellen Kodierung in eine Datenbank eingegeben. Es handelt sich dabei um Dialektdaten, die aus Befragungen in insgesamt 1613 bayerischen Ortschaften stammen.

In jedem dieser Orte haben geschulte Exploratoren ausgewählten Einwohnern in direkter Befragung etwa 2500 Fragen zu Gegenständen und Gebräuchen überwiegend aus dem landwirtschaftlichen Bereich gestellt und in einer speziell für die Dialektologie des Deutschen entwickelten Lautschrift, der so genannten Teuthonista-Lautschrift, notiert. Viele der Fragen kommen aus den Bereichen des bäuerlichen und handwerklichen Lebens, der Arbeit und des Zusammenlebens, weil die entsprechenden Gegenstände und Tätigkeiten besonders stark in Vergessenheit zu geraten drohen. So wurden z.B. Fragen nach Bezeichnungen gestellt, die den Vorgang des Brotbackens, der Butterherstellung oder des Spinnens betreffen, aber auch Fragen zu Heuernte und Viehhaltung. Aus diesen Befragungen liegen ungefähr vier Millionen Antworten vor.

Ein Teil dieser Daten wurde nun bereits im Rahmen der einzelnen BSA-Teilprojekte ausgewertet und in Form von Sprachatlasbänden veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die wissenschaftliche Aufbereitung und grafische Darstellung ausgewählter Phänomene in Kartenform zu den Bereichen Vokalismus, Konsonantismus, Morphologie, Syntax und Lexik.Das Material, das für eine Veröffentlichung in Buchform ausgewählt wurde, stellt natürlich nur einen Bruchteil des Gesamtmaterials dar. Verschiedene Kriterien, wie die Aussagekraft des Kartenbildes, aber auch die Bedeutung der dargestellten Thematik für das Untersuchungsgebiet, lieferten hierbei den Entscheidungsmaßstab für die Veröffentlichung eines dialektalen Phänomens auf einer Sprachkarte. Weiterhin spielte die Frage, ob das entsprechende Kartenthema von 'benachbarten' Kleinraumatlanten der oberdeutschen Mundarten bearbeitet worden war und somit zur Ergänzung der dort getroffenen Aussagen beitragen kann, eine Rolle bei der Auswahl.

BayDat widmet sich der Publikation aller Erhebungsdaten des BSA, also auch derjenigen Daten, die in den Atlasbänden nicht berücksichtigt werden konnten. Die Daten sollen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und vor dem Vergessen in den einzelnen Projektarchiven bewahrt werden.

Der Weg

Die sechs Teilprojekte des BSA bilden die Grundlage für die bayerische Dialektdatenbank BayDat

Im Rahmen von BayDat soll das kostbare BSA-Material also zukunftssicher archiviert, nach modernen Kriterien aufbereitet, für EDV- und Online-Recherchen zur Verfügung gestellt werden und auf diese Weise allen Interessierten einen strukturierten Zugriff bieten. Die einzelnen Projektdaten werden über die Online-Oberfläche der BayDat-Datenbank in Form von Beleglisten ausgegeben. Als Beleg bezeichnen wir die jeweils notierte Antwort auf eine Erhebungsfrage; eine Belegliste enthält alle Antworten zu einer Frage aus sämtlichen Ortschaften, in denen Befragungen durchgeführt wurden und die der Nutzer der Onlineoberfläche in seine Suchanfrage übernommen hat. BayDat unterscheidet sich daher grundlegend von der Veröffentlichung der BSA-Atlasbände, da das Material in Listen, die die einzelnen Belege der Befragungsorte zu einem bestimmten Phänomen enthalten, geliefert wird.

Eine Auswertung der Daten bzw. eine fachgerechte Aufbereitung durch Lemmatisierung liegt nicht vor und ist nicht geplant. Diese Arbeit müssen vielmehr die Benutzer in ihrer vertiefenden Beschäftigung mit den Materialien selbst leisten.

Dabei raten wir, v.a. für eine wissenschaftliche Beschäftigung, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BayDat-Teams Kontakt aufzunehmen.

Für jederman abrufbar werden weiterhin so genannte Grundkarten der jeweiligen BSA-Projekte auf den Web-Seiten des Unterfränkischen Dialektinstituts zur Verfügung gestellt. Auf einer Grundkarte sind die wichtigsten Informationen für eine Sprachkarte eingezeichnet, also etwa all diejenigen Ortschaften, in denen Befragungen durchgeführt wurden, sowie die wichtigsten Städte und Flüsse zur Orientierung. In diese Grundkarten kann der Benutzer die Belege aus den Beleglisten, z.B. in Form von Signaturen, also grafischen Symbolen an den entsprechenden Ortspunkten einzeichnen. Auf diese Weise können sich Forschende, Studierende, aber auch interessierte Laien Karten nach ihren eigenen Vorstellungen bzw. nach ihrem Bedarf erstellen.

Zum besseren Verständnis der Beleglisten und als Bearbeitungshilfe steht auf den Seiten des Unterfränkischen Dialektinstituts weiterhin eine Kleine Lautschriftenkunde zum Download bereit; darin sind alle nötigen Informationen zur Teuthonista-Lautschrift aufgeführt.

Gezielte Suchabfrage

Die bayerische Dialektdatenbank BayDat präsentiert sich ihrem breiten Interessentenkreis hauptsächlich über das Internet. Hier kann über eine dynamische Datenbankabfrage das vorhandene Material auf unterschiedliche Art und Weise abgefragt werden. Die große Datenmenge (ca. vier bis fünf Mio. Datensätze) ist in einer Oracle-Datenbank gespeichert, sodass Belege über gezielte Abfragen selektiert werden können. Der BayDat-Nutzer kann sich bei seiner Suche - z.B. nach den Bezeichnungen für den 'zweiten Grasschnitt' oder der Realisierung des Stammvokals -a- im Belegwort Fass in Bayern - über das Internet die entsprechenden Belege für seine persönlichen Recherchen ausgeben. Er stellt über eine Suchmaske seine Frage und bekommt innerhalb weniger Sekunden das entsprechende PDF-Dokument bzw. eine HTML-Seite mit den Belegen ausgeliefert.

Weiterführendes
Als erste Ergebnisse der Arbeiten an der BayDat-Datenbank finden Sie hier unsere ersten Beleglisten zum Download im PDF-Format.